Martin Orgaß
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Presseinformation
zum Tode von Gerhard Orgaß am 27.5.2012
Hamburg, 28. Mai 2012
Am Pfingstsonntag ist der ehemalige Sozialpolitiker aus Hamburg,
Gerhard Orgaß (CDU), im Alter von 84 Jahren nach schwerer Krankheit
verstorben. Orgaß war von 1953 bis 1965 Abgeordneter der Hamburger
Bürgerschaft und von 1965 bis 1976 Mitglied des Deutschen Bundestages.
Für sein gesellschaftspolitisches Engagement wurde Orgaß 1985 mit dem
Bundesverdienstkreuzes 1. Klasse ausgezeichnet. Er hinterlässt seine
Ehefrau und drei erwachsene Söhne.
Gerhard Orgaß trat als Katholik, Gewerkschaftler und Politiker
stets mit Überzeugung als „Anwalt für die Rechte des kleinen Mannes“
auf. Er verkörperte in allen Stationen seines Wirkens die katholische
Soziallehre nach Adolph Kolping und kämpfte gegen soziale Missstände.
Der gelernte Maurer und Betonbauer engagierte sich bereits als
Jugendlicher in ehrenamtlichen Funktionen, so z.B. in der
Kolpingsfamilie in Hamburg, deren Senior für Norddeutschland er
zeitweise war. Seine Kollegen vom Bau wählten Orgaß zu ihrem
Betriebsrat, der ihre Belange nicht nur auf der Baustelle vertrat. In
seiner Freizeit focht er in der Gewerkschaft Bau Steine Erden, der CDU
und der Christlich Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA) für
Arbeitnehmerrechte. Als Mitglied von CDA-Landes- und Bundesvorstand
(davon über 21 Jahre stellvertretender Bundesvorsitzender) wurden durch
Orgaß wichtige Prozesse im Bereich der Mitbestimmung und vor allem in
Fragen der Wohnungsbaupolitik in Gang gesetzt bzw. vorangetrieben.
Seine politischen Überzeugungen vertrat Orgaß als CDU-Abgeordneter
in der Hamburger Bürgerschaft von 1953 bis 1965. Seine teilweise
humorvollen Reden im Parlament wurden gelegentlich als
„parlamentarischer Orgasmus“ betitelt und u.a. mit einem Orden der
Hamburger Journalistenvereinigung ausgezeichnet (Parlamentarischer
Gartenzwerg).
Gerhard Orgaß hat drei Legislaturperioden (1965 – 1976) den
Wahlkreis Hamburg-Nord/Alstertal über die Landesliste der CDU im
Deutschen Bundestag vertreten. Auch als MdB war sein Spezialgebiet das
Thema Wohnungsbau, Stadtplanung und Raumordnung sowie Sozialpolitik.
Vielen Mitgliedern seiner Partei galt er als „verkappter Sozi“, stets
blieb er aber seiner politischen Zielrichtung basierend auf der
katholische Sozialethik treu. Er war z.T. Urheber und Verfechter
verschiedener Gesetzgebungsverfahren, bei denen er auch die Auffassung
der gesamten Fraktion be- bzw. umstimmte.
Nach dem Ausscheiden aus dem Bundestag wurde Gerhard Orgaß 1977 zum
Generalsekretär des Deutschen Verbandes für Wohnungswesen, Städtebau
und Raumordnung e.V. mit Sitz in Bonn (heute Berlin) gewählt. Auch in
dieser Funktion nahm er in besonderer Weise Einfluss auf die
Entscheidungsfindung in der deutschen Wohnungsbaupolitik.
1981 mussten durch einen schweren Herzinfarkt alle beruflichen,
politischen und ehrenamtlichen Aktivitäten beendet werden. Der
erzwungene Ruhestand verhinderte jedoch nicht, dass Gerhard Orgaß
gezwungen wurde, gegen die im Parlamentarischen Untersuchungsausschuss
PUA „Neue Heimat“ der Hamburger Bürgerschaft aufgestellten unwahren
Behauptungen, auch er hätte durch seine Mitarbeit in der
Siedlungsbaugenossenschaft ungerechtfertigte Vorteile genossen, um
seine Ehre zu kämpfen.
In einen weiteren PUA „Neue Heimat“ im Deutschen Bundestag
(Drucksache 10/6779) konnten durch den Abdruck seines Memorandums im
Minderheitenvotum der oppositionellen SPD im Jahr 1987 die gegen ihn
fälschlich erhobenen Vorwürfe widerlegt werden.
Auch in den Jahren von 1990 bis 2000 mischte sich Gerhard Orgaß als
Fürsprecher des unter den Falschverdacht der Spionage geratenen
ehemaligen Bürgerschaftsabgeordneten, Dr. Gerd Löffler, ein. Er setzte
u.a. einen Großteil seines Vermögens dafür ein, Löffler Gerechtigkeit
zu verschaffen und obsiegte in dieser Angelegenheit vor dem
Bundesgerichtshof (BGH) mit einem rechtsrelevanten Urteil.
Die letzten Jahre von Gerhard Orgaß waren durch Krankheiten
bestimmt. Seit 2011 lebte er in einem Pflegeheim. Auf die Frage, wie es
ihm ginge, antwortete er stets: „Mir geht’s am liebsten gut!“
Weitere Infos unter www.martin-orgass.de
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